Fivos Theodosakis

aber alles blieb unverändert, …

June 18 July 4, 2020

at Moltkerei Werkstatt

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Special thanks to

David Schnaegelberger, Constanze Schoen and Julia Woll

photos: Hans Diernberger

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kindly supported by Kulturamt Koeln

PRESS RELEASE

„Wie kam es nur, dass so lange Zeit alles still und glücklich verlief? Hoffte ich als Besitzer des Baus die Übermacht zu haben gegen jeden der käme?“ – Franz Kafka: Der Bau

Mit seiner Installation ‚aber alles blieb unverändert, …‘ erschafft Fivos Theodosakis ein formal isomorphes Gefüge, das sich zwischen eingrenzender Materialität und durchlässigem Zwischenraum entfaltet. Mit seiner begehbaren Installation entwirft er einen Raum im Raum, der nicht nur die Grenzen geschlossener Architektur sprengt, sondern sich auch an der Schwelle zwischen Bühnenbild und Bildkunst bewegt. Dieses Spannungsverhältnis lenkt in transmedialer und genreübergreifender Arbeitsweise den Blick auf unsere Lebenswirklichkeit. Den kontextuellen Ausgangspunkt bietet Franz Kafkas unvollendete Erzählung ‚Der Bau‘ (1923/24), die die Angst und Isolation sowie Gier und Expansionsbestrebungen, eines Wesens beschreibt, das sich einen abgeschotteten Rückzugsort errichtet hat. In Theodosakis‘ Installation bilden sich diese Divergenzen zwischen dem Innen und Außen, sowohl psychisch als auch physisch auf verschiedenen Ebenen aus. Sie bringen die restriktiven Widersprüche von Grenzen zum Vorschein, wie etwa das Gefühl von Un/sicherheit oder Un/freiheit.

Die Arbeit ist als ambivalenter Ort ununterbrochener Bewegung und steter Gegenwart zu verstehen. Die Spannung der Seile und deren semipermeable, geometrische Struktur, führt zur Verwirrung der visuellen Empfindung. Im etymologischen Sinne ist das Rationale unlöslich mit dem Erkennen von Mustern verbunden. Im Werk verdichten sich unzählige Anfänge und Enden durch das Arrangement in horizontalen und vertikalen Bahnen. Dabei macht das Licht partiell sichtbar und offenbart Bewegung, was durch die Soundarbeit am Boden unterstrichen wird.

Die ambivalente und diffuse Stimmung der Arbeit überträgt sich auf die Besucher*innen. Theodosakis bespielt damit die Problemfelder um Grenzziehungen. ‚aber alles blieb unverändert, …‘ begreift sich als kognitiv-analytische Untersuchung, wodurch die Installation zum transzendentalen Raum wird.