Alexander Pütz Mitarbeit oder Einladungen
10.05.–20.06.2026
Elia Castino
Silvan and the Cave
Moltkerei Werkstatt, Köln

Elia Castino erforscht in seiner künstlerischen Praxis Lebensräume und setzt sich mit einer erweiterten Idee des Wohnens auseinander; entkoppelt von den physischen Grenzen und Normen eines Hauses. Gespeist wird seine Inspiration vom norditalienischen Piemont, seiner Heimat, den ländlichen Traditionen, der regionalspezifischen Baukunst und von der geologischen Beschaffenheit dieser Region. Handwerk und intellektuelle Reflexion greifen in seiner Praxis ineinander und setzen Materialien wie Holz, Wolle und Erde, Gebrauchsgegenstände und Mobiliar in neue Kontexte.

In Silvan and the Cave widmet sich Elia Castino den zirkulären Verhältnissen von Natur und Kultur. Sedimentäre Ablagerungen setzt er in Beziehung zu Kulturprodukten wie landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Ornamentreliefs, religiöse Praktiken zu urzeitlichen Behausungen. Castinos Auseinandersetzung mit der Idee von Kreisläufen und wechselseitigen Bezugnahmen wird durch Sagen, Geschichten und profanen wie sakralen Riten angereichert.

In der römischen Mythologie wird Silvanus als Waldgott verehrt; als Gott des bäuerlichen Weltbildes und Erfinder des Pflanzenanbaus. In der Ikonographie wird er als mit einem Tierfell bekleideter, bärtiger Eremit dargestellt und galt als Verkörperung der Naturgewalten und des Wachstums. Der Künstler adaptiert diesen Typus des Gottes Silvanus und überträgt ihn in die Gestalt eines Esels; Nutztier und treuer Begleiter des bäuerlichen Standes. Silvan, der Esel, vereint nach diesem Narrativ urbane Gefüge, regionale Identitäten und den retrospektiven Blick auf die Verschränkung von Natur und Kultur. Er führt uns in eine Umgebung, die eine wohnliche wie mystische Sphäre offenbart. In ihr werden die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft durch Mobiliar mit menschlichen Zügen repräsentiert und die raumspezifische Installation eines leckendes Wasserrohrs zur Metapher eines unverzichtbaren Bausteins für Leben ebenso wie sein Tropfen zum Sinnbild des Rhythmus’ der Gegenwart wird. Organisches Material wird schließlich auch in der Stoffarbeit aufgegriffen. Sie zeigt Sedimente, Wellen, ein Waldstück und die titelgebende Höhle. Der Fuß im Zentrum verweist auf den sehr persönlichen Versuch zum Verständnis eines zirkulären Systems von Ursprünglichkeit und Genese.

Mit Silvan and the Cave entwirft Elia Castino ein poetisches Gefüge aus Mythologie, Materialität und Erinnerung, das Natur und Kultur nicht als Gegensätze, sondern als fortwährenden Kreislauf begreift und zugleich Fragen nach Herkunft, Identität und zukünftigen Formen des Zusammenlebens eröffnet.

Elia Castino (*1992, IT) studierte am Amsterdamer Sandberg Institut im Studio for Immediate Spaces sowie an der Politecnico di Milano und der UCA Canterbury. Seine künstlerische Arbeit zeigte er in verschiedenen Einzel- und Gruppenausstellungen; darunter beim Border Buda-Projekt in Brüssel (2025), dem Green Corridor in Brüssel (2023), im Spazio Martín in Mailand (2023) und bei RENEENEE in Amsterdam (2022). Elia Castino lebt in einem Stelzenhaus auf einer Schlamminsel, umgeben von einem silbrig schimmernden Fluss, zwischen Brüssel und dem nordwestitalienischen Hinterland.

Kuratiert von Undine Rietz, eingeladen von Alexander Pütz (You Might Also Like e.V.